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Glossar

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Glossar 2018-06-03T20:28:21+02:00
Autogenes Training 2019-02-03T13:08:35+02:00

Das Autogene Training ist ein Entspannungsverfahren, das auf Autosuggestion und Selbsthypnose basiert. Es wurde von dem Berliner Arzt Johannes Heinrich Schultz entwickelt, um seinen Patienten eine Möglichkeit zu geben, den ärztlichen Behandlungsprozess zu Hause eigenständig unterstützen zu können. Das Autogene Training nutzt die Fähigkeit der Menschen, eine tiefe Entspannung allein mit Hilfe ihrer Vorstellungskraft zu erreichen. Fordert man Menschen beispielsweise dazu auf, intensiv an eine Erwärmung eines bestimmten Körperteils zu denken, so steigt tatsächlich die Temperatur in dieser Körperregion an, da der Körperteil stärker durchblutet wird. Dadurch lassen sich unter anderem Stress und psychosomatische Störungen unterstützend behandeln.

Im Autogenen Training wird zwischen der Unter- und der Oberstufe unterschieden. Die Unterstufe dient der Herbeiführung von Entspannung. Sie besteht aus sechs Übungen, die Schwere, Wärme in den Extremitäten, Puls- und Atemberuhigung, Wärme im Sonnengeflecht und eine kühle Stirn hervorrufen. In der Oberstufe hilft das Autogene Training, Probleme durch Suggestion (Formeln und Bilder) soweit zu lösen, dass eine spürbare Linderung oder eine Heilung eintritt. Diese Stufe weist Parallelen mit der Tiefenanalyse der Psychotherapie vergleichbar, allerdings gelangt man ohne Hilfe des Therapeuten selbstständig zu neuen Erfahrungen und Erkenntnissen.

Durch die sogenannten formelhaften Vorsätze wird die Kraft der Gedanken genutzt, um Veränderungen im Körper und damit in der physischen Welt herbeizuführen. Die Oberstufe bietete weitere Möglichkeiten, angefangen beim unspezifischen Farbsehen über das nichtbeeinflusste freie Aufsteigenlassen von Bildern bis hin zu an das Unbewusste gerichtete Fragen (z. B. Sinnfragen). Die aufsteigenden Bilder können bis zu filmähnlichen Szenen und Abläufen reichen, an denen der Übende oft in einer Rolle aktiv teilhat.

Defizite 2019-02-02T17:51:15+02:00

Der Begriff „Defizit“ bezeichnet im normalen Sprachgebrauch einseitig etwas Fehlendes: eine nicht vorhandene Kompetenz, eine Minderleistung, mangelndes Wissen, ein Unvermögen, etwas bestimmtes zu tun usw. Abweichend davon möchten wir die gestalterische Funktion von Defiziten ebenso betonen. Indem jemand etwas nicht kann, nicht weiß oder nicht versteht, beeinflusst er seine sozialen Beziehungen oftmals dahingehend, etwas bestimmtes anderes damit zu erreichen. Was das im Einzelfall genau ist, ist sehr unterschiedlich: es kann konkrete Hilfe sein (was ich selbst nicht kann, macht jemand anders für mich), es kann Aufmerksamkeit sein (wenn ich die Aufgaben nicht alleine löse, setzt sich meine Mutter dazu und erklärt sie mir) oder auch emotionale Zuwendung (wenn ich meine Probleme nicht selbst in den Griff bekomme, brauche ich immer wieder Gespräche und Trost von Freunden; solange ich nicht lerne, mich abzugrenzen und Nein zu sagen, opfere ich mich zwar für andere auf und setze dadurch vielleicht meine Gesundheit aufs Spiel, bekomme aber auch deren Dank und riskiere nicht den Verlust von Freundschaft oder Liebe). Das bedeutet in unserem Zusammenhang, Defizite der Klienten nicht isoliert und nur negativ zu sehen, sondern auch Ausschau danach zu halten, welche Vorteile möglicherweise aus ihnen erwachsen, das heißt welche beziehungsgestaltende Funktion sie haben, und dies in die Arbeit miteinzubeziehen. In diesem Sinne verwenden wir den Begriff „Defizit“ auf der Basis eines systemisch-lösungsorientierten Verständnisses.

Empathiefähigkeit 2019-02-02T18:18:37+02:00

Empathie oder auch Einfühlungsvermögen ist die Fähigkeit, die Gefühle und Gedanken anderer Menschen wahrzunehmen und mit ihnen emotional mitschwingen zu können. Ebenso wie bei der Sprache ist die Möglichkeit, Empathie zu entwickeln, angeboren, sie muss jedoch gelernt werden. Empathiefähigkeit wird erlernt, indem das Kind über längere Zeit Austausch mit empathischen Menschen hat, die es spiegeln, d. h. seine Befindlichkeiten und Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen darauf reagieren. „Das Kind spiegelt sich in die Welt“, sagt Joachim Bauer (2006), und beschreibt damit das unmittelbar nach der Geburt einsetzende permanente wechselseitige Aufnehmen und spiegelnde Zurückgeben von Signalen zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen.

Empathiefähigkeit ist notwendig, um dem Kind helfen zu können, es begleiten zu können auf seinem Weg, sie ist das wichtigste „Werkzeug“ des Therapeuten. Sich in das Kind und seine Realität einfühlen zu können, es spiegeln zu können in seinen Nöten, aber auch in seinen Bedürfnissen und seinen Erfolgserlebnissen, ist das Wichtigste, das der Therapeut leisten können muss. Dies kann umso besser gelingen, je größer die Bandbreite der Erfahrungen des Therapeuten ist, weil diese eigenen Erfahrungen es erst ermöglichen, den anderen verstehen und sich in seine Wirklichkeit hinein versetzen zu können. Diese Empathiefähigkeit ist die entscheidende Voraussetzung für das Gelingen einer zwischenmenschlichen Beziehung (Belege dafür liefert die neuere Hirnforschung, vgl. z. B. Joachim Bauer 2006). Die Beziehung zwischen Therapeut und Klient wiederum ist der bedeutendste Wirkfaktor in der Psychotherapie (Studien zu dieser Frage wurden z. B. von Klaus Grawe 2004, Grawe & Grawe-Gerber 1999, Bruce Wampold 2001, Hubble, Duncan u. Miller 1999 sowie Michael Lambert 1992 durchgeführt). Dieses ist genauso für die Lerntherapie anzunehmen, auch wenn sie keine Psychotherapie im engeren Sinne ist, da es bei beiden im Wesentlichen um die Begleitung eines Menschen geht.

Entspannung 2019-02-03T13:48:43+02:00

Unter Entspannung verstehen wir einen Zustand, in dem äußere Reize eine untergeordnete Rolle spielen und der uns den Kontakt mit uns selbst und/oder dem Dasein als Ganzen ermöglicht. Entspannung ist somit mehr als ein bloßes Ruhig-Sein.

Der Mensch ist nicht nur ein physisches, sondern ebenso ein seelisch-geistiges Wesen. Um dem als Individuum gerecht zu werden, bedarf es geeigneter Mittel, die den Kontakt zwischen Physis (Leib, bewusstes Denken) und Psyche (Seele, Geist) ermöglichen. Letztlich geht es immer um den Zustand der Entspannung, der, als Gegenteil von Angst und Stress, die Basis für Entwicklung bildet. Wenn Spannung reduziert wird, kann man zum eigenen Innersten vordringen. Durch das Hineinspüren in den Körper und die Wahrnehmung, welche Empfindungen sich dabei einstellen, kann dem Bewusstsein ermöglicht werden, innerlich Vorhandenes, aber bislang Unbewusstes wahrzunehmen, zuzulassen und zu verarbeiten.

Entstehende Gefühle können rasch wechseln. Sie sind mitunter auch unangenehm. Gerade dies macht die Auseinandersetzung mit Erlebtem und mit lange nicht mehr hinterfragten Verhaltens- und Reaktionsmustern, auch emotionaler Art, möglich. Dies stellt einen ganz wesentlichen Weg dar, die eigene Persönlichkeit in weiteren Facetten kennenzulernen, was wiederum einen entscheidenden Schritt für eine Weiterentwicklung bedeutet.

Entspannung ist ein wesentliches Element des subjektiven Wohlbefindens und birgt gleichzeitig viel Potential für die menschliche Entwicklung. Verfügt das Individuum über die Möglichkeit, sich bewusst zu entspannen, hat es damit ein starkes Regulativ für die Herstellung und Aufrechterhaltung von Gesundheit und gleichzeitig ein Werkzeug zur Unterstützung der eigenen Entwicklung an der Hand.

Entspannungstechniken 2019-02-03T13:53:47+02:00

Der Gattungsbegriff „Entspannungstechniken“ fasst alle Methoden zur Erreichung eines Entspannungszustandes zusammen. Durch Entspannungstechniken können die Symptome physischer und psychischer Anspannung, also Stress, Erregung, Nervosität, Hektik usw. verringert werden. Weitere Ziele von Entspannungstechniken sind die Verringerung von Belastungssituationen, der entsprechende Umgang mit diesen sowie Zustände der Entspannung und des Wohlbefindens. Verbreitete Methoden sind z. B.: Autogenes Training, Meditation, Yoga, Progressive Muskelrelaxation, die Feldenkrais-Methode, Shiatsu, Qi Gong, Tai Chi u. v. m.

Die unmittelbaren körperlichen Wirkungen von Entspannungsverfahren finden in verschiedenen Bereichen des Körpers statt. Typische Veränderungen sind, kurz gefasst, die folgenden: Auf neuromuskulärer Ebene verringern sich die Muskelspannung (Tonus) und die Reflexe. Im kardiovaskulären Bereich erweitern sich die Gefäße, Puls und Blutdruck sinken. Bezüglich des Atemsystems nehmen Atemfrequenz und Sauerstoffverbrauch ab, die Atemzyklen werden gleichmäßiger. Desweiteren verringert sich die Hautleitfähigkeit und die hirnelektrische Aktivität ändert sich. Neben diese häufig beobachteten Veränderungen treten, je nach Entspannungsverfahren, meist weitere, spezifischere Wirkungen.

Durch das abgesenkte Aktivitätsniveau kann eine Tür zum Unbewussten geöffnet werden. Infolgedessen lassen sich durch Entspannungsverfahren Zustände erreichen, in denen Selbstbeobachtung, Konzentration auf die eigene Innerlichkeit und/oder die Verbindung mit einer überweltlichen/spirituellen Dimension stattfinden können.

Da hierdurch unter anderem Stress und Angst reduziert werden, wird mit dem Entspannungszustand immer auch eine wesentliche Voraussetzung für das Lernen geschaffen.

Intensivausbildungen 2019-02-03T10:41:37+02:00

In einer Intensivausbildung werden die Inhalte in kompakter und zusammenhängender Form vermittelt. Durch das Fehlen von Unterbrechungen können die Teilnehmer(innen) tief in die Thematik eintauchen. Die Ausbildungsgruppe bleibt konstant zusammen und kann sich als Einheit finden. Gruppendynamische Elemente können für den Lernprozess nutzbar gemacht werden. Anders als bei Wochenendausbildungen, zwischen denen jeweils ein zeitlicher Abstand liegt, bleiben Thema und Mitlernende konstant präsent. Dadurch wird eine hohe Dichte in der Lernatmospäre möglich.

Lebenslanges Lernen 2019-02-03T11:02:11+02:00

Eine wesentliche Grundlage unserer Arbeit bildet die Überzeugung, dass sich der Mensch sein ganzes Leben lang weiterentwickelt. Die Bereitschaft des Menschen, im Laufe des Lebens zu reifen, zu wachsen und sein Potential zur bestmöglichen Entfaltung zu bringen, spiegelt sich oft im Wunsch nach beruflicher Veränderung und Weiterentwicklung. Unser Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in ihrem Bedürfnis zur Entwicklung ihrer Profession zu begleiten. Wir stellen denjenigen Menschen Lernangebote bereit, die andere Menschen auf deren Weg des lebenslangen Lernens begleiten.

Die von uns angebotenen therapeutischen und pädagogischen Weiterbildungen richten sich zum einen an Menschen, die bereits im Feld der Arbeit mit Menschen tätig sind. Zum anderen heißen wir auch solche willkommen, die im Laufe ihres Lebensweges ihre einmal durch die Studien- oder Berufswahl eingeschlagene Richtung ergänzen oder auch wandeln möchten. Viele Menschen planen eine therapeutische Tätigkeit langfristig voraus und wählen ihre Berufsausbildung entsprechend aus. In der heutigen Zeit, in der nicht-geradlinige Berufsbiographien immer häufiger vorkommen, stellt sich oft jedoch die Frage, ob nicht auch im Bereich der Arbeit mit Menschen ein Quereinstieg möglich ist. Kann eine therapeutische oder beratende Tätigkeit gelingen, auch ohne z. B. ein entsprechendes Studium absolviert zu haben? Unserer Erfahrung nach ist dies sehr gut möglich. Unabhängig von der beruflichen Erstausbildung bieten die Aus- und Weiterbildungen am DIL die Möglichkeit, für die Arbeit mit Menschen wesentliche neue Dinge zu lernen, eigene Erfahrungen zu machen und das neue Wissen praktisch zu erproben. Die Erfahrung hat vielfach gezeigt, dass sich dieser Ansatz sehr gut bewährt.

Der Prozess des Lernens und der Entwicklung hört nie auf. Daher ist es auch nie zu spät, damit anzufangen. Verstanden als stete Weiterentwicklung ist lebenslanges Lernen mehr als ein theoretisches Konzept, sondern es ist für jeden Menschen möglich und erfahrbar.

Lernen am Modell 2019-02-03T15:17:09+02:00

In der sozial-kognitiven Lerntheorie von Albert Bandura (1986, 1997) geht es um das Modelllernen. Dieser Begriff fasst als Oberbegriff eine Reihe von Phänomenen der Beeinflussung von Beobachtern durch Modelle zusammen. Anders gesagt geht es darum, dass jemand etwas Neues lernt, indem er es bei einem anderen beobachtet, also ohne dass er es zunächst selbst praktiziert. Inhaltlich haben wir es dabei nicht nur mit praktisch durchführbaren Verhaltensweisen, sondern z. B. auch mit dem Umgang mit Emotionen, dem Erwerb kognitiver Kompetenzen, dem Erlernen von Regeln und der Auffassung und Beurteilung der Realität zu tun. Das Konzept unterstreicht die Bedeutung der Vorbildfunktion – z. B. der von Eltern für ihre Kinder und von Therapeuten für ihre Klienten, bezogen auf alle möglichen Aspekte des Lebens.

Ob man das, was man durch ein Modell gelernt hat, aber auch tatsächlich praktiziert, hängt von weiteren Faktoren ab – nicht zuletzt davon, ob man es sich überhaupt zutraut, die neue gelernte Handlungsmöglichkeit auszuführen (s. Selbstwirksamkeit).

Lerntherapie 2019-02-03T10:42:09+02:00

Ziel der Lerntherapie ist es, die Bedingungen so zu verändern, dass das eigentliche individuelle Lern- und Leistungspotential des Kindes (wieder) zur Entfaltung kommen kann. Dabei geht es darum, für das Kind solche Bedingungen zu schaffen, dass es sein in ihm angelegtes Potential verwirklichen kann. Aufgabe des Lerntherapeuten ist es, die nicht entwickelten Fähigkeiten und Ressourcen, die das Kind – wie jeder Mensch – in sich trägt, zu entdecken und ihre Entfaltung zu ermöglichen. Dies geschieht einerseits durch die Veränderung der Rahmenbedingungen, in denen das Kind lebt, und andererseits durch Stärkung der Persönlichkeit des Kindes. Dazu gehören wesentlich Wertschätzung, Akzeptanz, Ermöglichung positiver Erfahrungen und die Vermittlung konkreter Methoden und Techniken.

Lerntherapie richtet sich in der Regel an Kinder und Jugendliche mit Lern- und Leistungsstörungen oder -schwächen. Sie greift dabei unter anderem auf Methoden aus der Gesprächs-, Verhaltens-, und Gestalttherapie, aus der Heilpädagogik, Ergotherapie und Kinesiologie zurück. Hinzu kommen Elemente der Bewegung und der Entspannung sowie diagnostische Arbeitsdialoge, die sich auf die zu erlernenden Inhalte beziehen. Die genaue Vorgehensweise des Lerntherapeuten orientiert sich immer an den individuellen Voraussetzungen des betroffenen Kindes oder Jugendlichen, dessen Bedürfnissen, Problemen und Stärken und an den vereinbarten Zielen der Lerntherapie. Sie kann als Einzel- oder als Kleinstgruppentherapie durchgeführt werden und bezieht die das Kind oder den Jugendlichen umgebende Umwelt in die Arbeit mit ein (systemischer bzw. integrativer Ansatz).

Unter Lerntherapie verstehen wir die Anwendung therapeutischer Interventionsformen aus unterschiedlichen Therapierichtungen unter Einbezug einerseits von Praxiserfahrungen und andererseits von Forschungsergebnissen auf die beteiligten Personen im Umkreis eines Lernproblems, also auf die Kinder, die Eltern sowie das übrige Umfeld (Lehrer, Verwandte, andere Therapeuten usw.). Unsere lerntherapeutische Arbeit ist durch eine systemische Haltung geprägt. Sie ist sowohl ganzheitlich als auch individualisiert. Damit ist sie integrativ und geht gleichzeitig noch ein Stück weiter, indem sie im großen Maße die Umwelt einschließt und gestaltet. In der systemischen Lerntherapie tun wie eben dieses, und zwar konsequent, mit einem systemischen Verständnis der ablaufenden Prozesse und mittels der Arbeitsweise, wie sie sich in der systemischen Therapie bewährt hat. So sehen wir die systemische Lerntherapie als Fortschreibung der Entwicklung hin zu einem immer ganzheitlicheren Verständnis kindlicher Lernschwierigkeiten.

Menschenbild 2019-02-02T18:36:41+02:00

Mit Menschenbild ist der ganz grundlegende Glaube darüber gemeint, wie der Mensch ist und funktioniert – zum Beispiel, ob er eher ein rationales oder ein emotionales Wesen ist, ob er unveränderliche Eigenschaften besitzt, ob er gut oder schlecht ist, ob er auf Zusammenarbeit oder Kampf angelegt ist, ob es so etwas wie ein Unbewusstes gibt, ob zu viel Liebe nur verwöhnt, ob man Kinder erziehen muss oder ob sie von alleine wachsen usw. Solch ein Menschenbild tragen wir alle in uns, von diesem aus betrachten wir andere Menschen und gehen mit ihnen um, und es bestimmt, mit welcher inneren Haltung wir unseren Klienten gegenübertreten.

Auf der Basis unseres Menschenbildes gestaltet sich auch die lerntherapeutische Arbeit. Die grundlegenden Annahmen des Lerntherapeuten, wie Kinder sind und wie man sie behandeln muss, spielen eine bedeutende Rolle für das Gelingen einer Lerntherapie. Für das bewusste Arbeiten und die Möglichkeit, sich auf den Klienten und dessen Wirklichkeit einlassen zu können, ist es gut, das eigene Menschenbild möglichst gut zu kennen.

Für uns gehört folgender Aspekt einerseits zu unserem Menschenbild und hat andererseits auch praktische Konsequenzen für die lerntherapeutische Arbeit: Unangemessenes Verhalten ist ganz oft Ausdruck ungelöster, meist emotionaler oder seelischer Konflikte im Menschen. Diese Konflikte wiederum liegen meist in Umweltfaktoren (mit-)begründet, die die Bedürfnisse des Menschen unerfüllt gelassen haben. Für gezeigtes Verhalten gibt es immer einen guten Grund, und es hat einerseits eine beziehungsgestaltende Funktion, andererseits stellt es zumeist eine Reaktion auf die Umwelt dar. Wenn das, was das Kind tut, von der Umwelt als unangemessen wahrgenommen wird, hat das Kind einfach keine bessere Möglichkeit zu reagieren. Die Personen in der Umwelt des Kindes finden es unangemessen, weil es nicht ihren Bedürfnissen und Erwartungen entspricht. Für das Kind ist sein Verhalten jedoch richtig und passend, es kommt für die anderen Personen also darauf an, diesen Sinn ebenfalls zu erkennen.

Mehr dazu findet sich in der Darstellung des Selbstverständnisses des DIL im Abschnitt 2, Die Arbeit mit Kindern.

Methoden 2019-02-02T17:29:00+02:00

Im Griechischen bedeutet methodos „Weg“, das heißt, die Methode ist der Weg, um ein Ziel zu erreichen. Wenn ich von A nach B will, stellen sich drei Fragen: erstens – wo starte ich (wie sieht A aus, was gibt es da, was fehlt), zweitens – wo will ich hin (was genau kennzeichnet B, was will ich erreichen) und drittens – welchen von den möglichen Wegen wähle ich aus, um ans Ziel zu kommen? Für uns spielt eine besondere Rolle, dass die Menschen verschieden sind und es daher nicht die eine Methode gibt, die immer für alle passend ist. „Die Methode“ ist daher nicht, alle denselben Weg beschreiten zu lassen, sondern mit jedem Klienten individuell zu sehen, wie ein guter Weg aussehen kann.

Der wichtigste Wirkfaktor in der Psychotherapie ist die Therapeut-Klient-Beziehung. Konkrete Methoden und Techniken treten demgegenüber in den Hintergrund. Dementsprechend muss nach unserem Dafürhalten die Haltung des Therapeuten sein, vorrangig auf eine gesunde und konstruktive Beziehung zum Klienten zu achten und nicht darauf, ein bestimmtes Programm abzuarbeiten oder einem vorab festgelegten Fahrplan zu folgen. Dazu gehört manchmal sehr viel Flexibilität: Wenn man sich für die anstehende Stunde mit einem Kind etwas Besonderes überlegt hat, um ihm weiterzuhelfen, und vielleicht sogar stolz auf einen originellen Einfall ist, dann jedoch feststellen muss, auf keinerlei Resonanz zu stoßen, weil das Kind etwas anderes beschäftigt oder es sich heute gar nicht richtig öffnet – dann muss man den Plan vergessen und sich vor allem voll und ganz auf das Kind und seine Realität einstellen. „Erziehung ist Beziehung“, bringt der dänische Familientherapeut Jesper Juul dieses Thema auf eine kurze Formel. Das gilt ebenso für die Lerntherapie: Im Vordergrund steht die Beziehung, die der Lerntherapeut zum Kind und dessen Eltern aufbaut. Die Gestaltung dieser Beziehung und damit auch die Qualität, die diese Beziehung erlangt, liegt in der Verantwortung des Lerntherapeuten. Das ist seine wichtigste Aufgabe. Wie er sie bewältigt, hat einen stärkeren Einfluss auf Erfolg bzw. Misserfolg der therapeutischen Arbeit als die Anwendung bestimmter Methoden.

Musiktherapie 2019-02-02T16:45:30+02:00

In der Musiktherapie wird die Musik gezielt eingesetzt, um die seelische, körperliche und geistige Gesundheit zu stärken. Die Musiktherapie ist sehr praxisorientiert und steht in enger Wechselwirkung zu verschiedenen anderen wissenschaftlichen Gebieten wie der Medizin, Psychologie, Musikwissenschaft, und Soziologie. Die Methoden der Musiktherapie beinhalten tiefenpsychologische, verhaltenstherapeutische, lerntheoretische, systemische, anthroposophische und ganzheitlich-humanistische Ansätze.

Man unterscheidet zwischen rezeptiver und aktiver Musiktherapie. Die rezeptive ist die ursprüngliche Form der Musiktherapie. Der Patient musiziert nicht selbst, sondern nimmt die Musik nur wahr. Er hat also keinen Einfluss auf die Musik. Bei der aktiven Musiktherapie beteiligt sich der Klient, indem er selbst ein Instrument spielt oder seine Stimme einsetzt. Damit eröffnen sich im Rahmen musikalischer Improvisation neue Ausdrucksmöglichkeiten. Es kann aber auch ein Rahmen vorgegeben werden, beispielsweise beim Liederlernen mit behinderten Menschen. Es ist zusätzlich auch möglich, sich zur Musik zu bewegen (Tanzen, Malen nach Musik). Der Klient braucht keine musikalische Vorbildung zu haben, und die Musiktherapie stellt keine Anforderungen hinsichtlich der musikalischen Virtuosität. Die Musik steht nicht im Mittelpunkt, sondern ist ein Hilfsmittel für den Zugang zum Menschen.

Die Musiktherapie wird präventiv, kurativ und rehabilitativ sowie in der Nachsorge eingesetzt und richtet sich an Menschen jeden Alters mit somatischen, psychosomatischen oder psychiatrischen Erkrankungen sowie Menschen mit Schädigungen, Behinderungen oder Beeinträchtigungen. Sie wird außerdem in der Sonder- und Heilpädagogik, bei der Arbeit mit schwer- und mehrfach behinderten Menschen, entwicklungsgestörten Kindern, in Altenpflegeheimen und an Musikschulen eingesetzt.

Pädagogik 2019-02-03T14:59:30+02:00

Pädagogik (von griech. paideia „Erziehung, Bildung“, pais „Knabe, Kind“ und agein „führen“) ist die praktische und theoretische Lehre von der Erziehung. Oft wird der Begriff auch mit Erziehung gleichgesetzt. Pädagogik umfasst verschiedene Bereiche von Entwicklungsprozessen von Menschen, insbesondere von Kindern. Unter pädagogischem Handeln versteht man mitunter Erziehung, Bildung, Interaktion und Vermittlung sowie die jeweilige erziehungswissenschaftliche und entwicklungspsychologische Fundierung dieser Bereiche.

Pädagogisches Ziel in der Arbeit mit Kindern ist es, die Bedingungen so zu verändern, dass das im Kind angelegte individuelle Lern-, Leistungs- und Entwicklungspotential (wieder) zur Entfaltung kommen kann. Es geht darum, für das Kind solche Bedingungen zu schaffen, dass es sein in ihm vorhandenes Potential verwirklichen kann. Aufgabe des Therapeuten ist, die nicht entwickelten Fähigkeiten und Ressourcen, die das Kind – wie jeder Mensch – in sich trägt, zu entdecken und ihre Entfaltung zu ermöglichen. Dies geschieht einerseits durch die Veränderung der Rahmenbedingungen, in denen das Kind lebt, und andererseits durch Stärkung der Persönlichkeit des Kindes. Dazu gehören wesentlich Wertschätzung, Akzeptanz, Ermöglichung positiver Erfahrungen und die Vermittlung konkreter Methoden und Techniken.

Progressive Muskelrelaxation 2019-02-03T10:43:50+02:00

Die Progressive Muskelrelaxation (PMR) ist auch unter den Bezeichnungen Progressive Muskelentspannung, Progressive Relaxation oder Tiefenmuskelentspannung bekannt und geht auf den amerikanischen Physiologen Edmund Jacobson zurück. Die Progressive Muskelrelaxation ist ein Verfahren, bei dem bestimmte Muskelgruppen willkürlich und bewusst an- und wieder entspannt werden, wodurch der gesamte Körper schließlich entspannt wird. Die Progressive Muskelrelaxation arbeitet dabei nacheinander verschiedene Muskelgruppen in einer vorgegebenen Reihenfolge durch. Die Muskeln werden kurz angespannt und dann wieder gelöst, wobei sich der Patient auf den Wechsel zwischen An- und Entspannung und seine Empfindungen dabei konzentriert. Die Progressive Muskelrelaxation senkt dadurch die Muskelspannung unter das Normalniveau ab und verbessert die Körperwahrnehmung. Bei regelmäßiger Anwendung lernt man, die muskuläre Entspannung im Alltag gezielt herbeizuführen. Für Fortgeschrittene ist dies schließlich sogar ohne vorherige Anspannung möglich. Unruheäußerungen wie Herzklopfen, Schwitzen oder Zittern gehen zurück.

Die Progressive Muskelrelaxation wird beispielsweise häufig in der Verhaltenstherapie im Rahmen der systematischen Desensibilisierung eingesetzt, um Angststörungen zu behandeln. Weitere Behandlungsfelder sind Hypertonie, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Stress. Wissenschaftlich besonders gut belegt ist die Wirksamkeit der PMR bei Hypertonie, Spannungskopfschmerzen und in der Stressprävention. Besonders im Präventionsbereich kommt der PMR eine hohe Bedeutung zu, weil sie als einfach zu erlernendes Verfahren den Menschen eine gute und praktikable Möglichkeit an die Hand gibt, das körperliche und seelische Wohlbefinden positiv zu beeinflussen.

Psychotherapie 2019-02-03T10:44:18+02:00

Als Psychotherapie werden Formen der Behandlung psychischer Störungen bezeichnet. Das Ziel ist dabei, seelische Problematiken gemeinsam mit dem Klienten so zu bearbeiten, dass ein Umgang mit ihnen möglich und die eigenständige Lebensführung wieder hergestellt bzw. erhalten wird. Je nach Psychotherapieverfahren kann es zum Beispiel darum gehen, bislang ungelebte Anteile der Persönlichkeit und schöpferische Potentiale zugänglich zu machen, schwierige Situationen in der Kindheit und die damit verbundene seelische Entwicklung aufzuarbeiten, eingefahrene Denkmuster zu erkennen und zu reflektieren oder auch nur neue Verhaltensweisen einzuüben.

Das für diesen Bereich maßgebliche Psychotherapeutengesetz (PsychThG) definiert Psychotherapie so: „jede mittels wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist.“ „Störungen mit Krankheitswert“ sind alle diejenigen Störungen, die in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, Kapitel V (F)) aufgeführt sind. Diese beinhalten unter anderem Persönlichkeitsstörungen, Zwangserkrankungen, Ängste und Phobien, organisch bedingte psychische Störungen, Schizophrenie, Depression, Manie und andere mehr. Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes (also innerhalb der sog. Heilkunde) darf nur von Psychologischen Psychotherapeuten, Ärztlichen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten und eingeschränkt von Heilpraktikern für Psychotherapie ausgeübt werden.

Situationen oder Befindlichkeiten, die zwar als problematisch erlebt werden, aber keinen Krankheitswert besitzen (also nicht in der ICD-10 aufgeführt sind) – wie zum Beispiel viele soziale Konflikte, Sinnfragen, schwierige Entscheidungen – fallen nicht unter das Psychotherapeutengesetz. Aber auch sie können mit Psychotherapie behandelt werden. Sinnvoll ist Psychotherapie in solchen Fällen vor allem dann, wenn das Therapieziel in einer Entwicklung der Persönlichkeit und persönlicher Reifung besteht. Solche Form therapeutischer Arbeit (also außerhalb der Heilkunde) kann auch von anderen als den im vorigen Absatz genannten Personen geleistet werden. Sie wird dann nicht als Psychotherapie im engeren Sinne, sondern eher als Lebensberatung und Hilfe zur Persönlichkeitsentwicklung verstanden.

Zur Zeit werden die Kosten einer Psychotherapie von den Krankenkassen übernommen, wenn das Behandlungsverfahren zu einer der folgenden drei Gruppen gehört: zu den psychoanalytischen Verfahren (Psychoanalyse nach Freud, Analytische Psychologie nach Jung und Individualpsychologie nach Adler), zu den Verfahren der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (die eine inhaltlich und von der Dauer her reduzierte Form psychoanalytischer Verfahren darstellen) oder zur Verhaltenstherapie (die hauptsächlich lerntheoretisch und kognitiv orientiert arbeitet). Diese Verfahren gelten im Sinne des Psychotherapeutengesetzes als „wissenschaftlich anerkannt“ und sind daher kassenanerkannt. Niedergelassene Psychotherapeuten und Ärzte können auch das Autogene Training, die Progressive Muskelrelaxation und die Hypnose psychotherapeutisch einsetzen und abrechnen.

Darüber hinaus gibt es eine Fülle weiterer Psychotherapieverfahren, für die keine Kassenzulassung möglich ist. Ebenfalls sind die formalen Hürden für eine Ausbildung deutlich niedriger. Zu den bekanntesten Verfahren gehören die Gestalttherapie, die Gesprächspsychotherapie, die Kunsttherapie, das Psychodrama, die systemische Psychotherapie und die Körperpsychotherapie. Gemeinsam ist allen Psychotherapieverfahren die besondere Bedeutung der Beziehung zwischen Klient und Therapeut – therapeutische Arbeit ist zu einem wesentlichen Teil Beziehungsarbeit. Wichtig zu wissen ist aber auch, dass sich die einzelnen Verfahren in ihrer konkreten Arbeitsweise und auch in ihrem zugrunde liegenden Menschenbild unterscheiden. Für Anbieter wie für Interessenten eines Verfahrens der Psychotherapie ist es daher empfehlenswert, sich mit den jeweiligen Menschenbildern und Seelen-Begriffen (wenn vorhanden) zu beschäftigen.

Ressourcenorientierung 2019-02-03T10:27:37+02:00

Wir verfolgen das Ziel, Ressourcen zu stärken statt sich an Defiziten zu orientieren. Sicherlich kommen Eltern mit ihren Kindern in die Lerntherapie, weil sie bestimmte, oft konkret benennbare Defizite wahrnehmen. Ziel soll dann sein, diese Defizite zu beseitigen. In früheren Zeiten war der Ansatz, sich dann eben mit genau diesen Defiziten zu beschäftigen. Wenn heute ein Kind Nachhilfe erhält, obwohl eine Lerntherapie angezeigt wäre, dann geschieht genau diese Fokussierung auf das Defizit – nur welche Folgen hat das? Das grundlegende Problem liegt darin, in diesem Ansatz ausschließlich die Perspektive der Eltern und der Lehrer einzunehmen (“das Kind muss richtig lesen können“). Dies ist aber nicht die Perspektive des Kindes. Es steckt bereits so tief in der Problematik von Versagensgefühlen, Angst und Stress, dass kein Raum mehr für einen Wunsch wie „ich will lesen lernen“ da ist. Andernfalls würde es lesen lernen und nicht in die Lerntherapie gebracht werden. Um mit dem Kind arbeiten zu können, um überhaupt eine Aussicht auf langfristigen Erfolg zu haben, muss als erstes der Fokus vom Defizit weggenommen werden: „So, Du kannst nicht lesen. Also, das interessiert mich im Moment nicht so sehr. Was machst Du eigentlich gern? Ah, Basteln (oder Fußballspielen oder Musikhören oder Zusammensein mit Freunden oder was auch immer). Okay, dann basteln wir jetzt etwas.“

Wenn es um das Defizit geht, wird der Druck auf das Kind erhöht, das fühlt es sehr stark und das führt unmittelbar zu dem Verhalten, das als unangemessen wahrgenommen wird. Anders gesagt, wir laden das Kind regelrecht dazu ein, dieses Verhalten zu zeigen. Wenn das Kind sich entwickeln und entfalten soll, dann müssen wir mit den Dingen beginnen, die das Kind kann bzw. die es gern macht. Auf diese Weise kann der Therapeut zum Begleiter auf dem Weg werden. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, mit dem Kind einen Kontext zu gestalten, in dem es neugierig auf seine Umwelt reagieren darf. Das schafft die Möglichkeit, auch wieder Neugier auf Wörter und Geschichten wachsen zu lassen, was wiederum Voraussetzung ist für die Bereitschaft, Lesen und Schreiben zu lernen.

Salutogenese 2019-02-03T11:51:54+02:00

Das Konzept der Salutogenese wurde von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky (1923-1994) in den 1970er Jahren entwickelt. Es steht im Grunde genommen mit seinen Grundannahmen in der Tradition der an der Ganzheit orientierten Humanistischen Psychologie, stammt jedoch, und das ist ewas besonderes, aus einem Kontext westlicher Schulmedizin. Das von Antonovsky (1993, 1997) geprägte Wort „Salutogenese“ bedeutet soviel wie „Gesundheitsentstehung“ (salus = Unverletztheit, Heil; Genese = Entstehung).

Die grundlegende Frage der Salutogenese lautet nicht, wie beim Ansatz der Pathogenese, „Was macht Menschen krank?“ (pathos = Leiden), sondern entgegen gesetzt, „Was macht und erhält Menschen gesund?“. Anders als die pathogenetische Sichtweise, die Gesundheit als einen natürlicherweise vorhandenen Gleichgewichtszustand ansieht, der sich im Prinzip ohne weiteres Zutun von selbst erhält, versteht die salutogenetische Konzeption Gesundheit als einen Prozess, als ein labiles und sich dynamisch regulierendes Geschehen (in Anlehnung an die Systemtheorie). Der immer wiederkehrende Verlust von Gesundheit wird als ganz natürlich verstanden. Sie muss permanent wieder aufgebaut und aktiv erhalten werden.

Gesundheit und Krankheit werden nicht als zwei einander ausschließende Zustände, von denen der Mensch immer entweder den einen oder den anderen einnimmt, verstanden. Vielmehr markieren sie die Pole eines Kontinuums, zwischen denen man sich stets bewegt. Der Mensch ist demnach zu jedem Zeitpunkt nicht entweder gesund oder krank, sondern mehr oder weniger gesund bzw. krank.

Die Krankheitslehre der westlichen Medizin beruht auf einem naturwissenschaftlichen, mechanistischen Menschenbild. Liegt an irgendeiner Stelle ein Defekt, ein Mangel vor, wird dieser auf der Basis vor allem der physiologischen Abläufe isoliert betrachtet und abzustellen versucht. Dies geschieht über die Beseitigung der krank machenden Faktoren, die primär innerlich (z. B. Bakterien, Stoffwechselstörungen) oder äußerlich (z. B. negative Stressoren, Risikofaktoren) zu suchen sein können. Anders die Sicht des salutogenetischen Konzeptes: Der als System funktionierende Mensch kann seine Ordnung nicht mehr aufrecht erhalten. Neben die Bekämpfung der krank machenden Faktoren muss daher die Stärkung der Ressourcen des Organismus treten, die ihm helfen, mit den schwächenden Einflüssen fertig zu werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das salutogenetische Konzept als ergänzendes Modell zur Schulmedizin verstanden wird und sein zentrales Anliegen darin besteht zu erforschen, wie Gesundheit hergestellt, erhalten und gefördert werden kann.

Selbsterfahrung bei Therapeuten 2019-02-03T15:07:30+02:00

Für alle praktisch tätigen oder in Ausbildung befindlichen (Lern-)Therapeuten möchten wir die Bedeutung der Erfahrungsebene hervorheben, da es in erster Linie diese ist, die das Lernen ermöglicht. Zum Beispiel können Sie einen Text darüber lesen, dass Perspektivenübernahme wichtig ist, also dass Sie sich in die Situation des Klienten hineinversetzen sollen und ihm für das Problem keine Lösung präsentieren sollen – oder Sie können im Rollenspiel Ihrem Gegenüber ein eigenes Problem schildern, hören wie es sagt, „Dann mache mal das und das“, und dann die Abwehr spüren, die Sie gegen diese Lösungsmöglichkeit haben, oder Sie vergessen den Vorschlag rasch wieder, oder Sie erinnern sich zwar später an ihn, haben aber keinen Impuls, ihn umzusetzen. Es ist eben nicht Ihre Lösung, sondern die Ihres Gegenübers. Erst dieses Gefühl, dass Sie Ihre eigene Lösung brauchen, macht das Verständnis für das Thema „Perspektivenübernahme“ vollständig. Erst dann sind Sie wirklich in der Lage, sich mit Lösungsvorschlägen für die Probleme anderer zurückzuhalten.

Erfahrung, Lernen und Entwicklung bilden eine Entwicklungsspirale (mehr dazu im Selbstverständnis des DIL im Abschnitt 1, Wie geschieht Lernen?). Dieser Zusammenhang hat auch eine Bedeutung für das therapeutische Selbstverständnis. Wenn die Qualität der therapeutischen Arbeit stark aus der Empathiefähigkeit resultiert und diese wiederum durch Erfahrungen erweitert wird, dann haben wir es auch dabei mit einem Kreislauf zu tun. In diesem Kreislauf verstärken sich Erfahrungen, die dadurch breitere Verfügbarkeit von Handlungen und Gefühlen, die Empathiefähigkeit und die therapeutische Arbeit gegenseitig. Somit sehen wir nicht nur den Klienten, sondern auch den Therapeuten beständig auf einem Weg des Wachstums und der persönlichen Entwicklung. Daher beziehen gute therapeutische Aus- und Weiterbildungen immer auch Formen der Selbsterfahrung für die Teilnehmer mit ein.

Wissenschaftlich untermauern lässt sich das Modell einerseits durch die Ergebnisse der Hirnforschung aus den letzten Jahren über die Spiegelneurone (s. dort). Zum anderen haben die Befunde und Überlegungen zum „Lernen am Modell“ (s. dort), das Albert Bandura in den 1970er Jahren im Rahmen seiner sozial-kognitiven Lerntheorie entwickelt und beschrieben hat, immer noch Gültigkeit. Schließlich spielt ein wichtiges Ergebnis der Psychotherapieforschung eine Rolle: entscheidender Faktor in der Therapie ist die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Therapeut und Klient (und eben nicht die Psychotherapiemethode; siehe dazu auch das Stichwort Empathie).

Selbstwirksamkeit 2019-02-03T14:26:17+02:00

Die Theorie der Selbstwirksamkeit von Albert Bandura (1986, 1997) ist eng mit seiner sozial-kognitiven Lerntheorie (s. Lernen am Modell) verbunden. Genauer gesagt geht es um die wahrgenommene Selbstwirksamkeit: Ob ein gelerntes Verhalten auch tatsächlich praktiziert wird, hängt eng damit zusammen, ob man glaubt, es auch wirklich erfolgreich ausführen zu können. Viele Untersuchungen zeigen, dass man bei Aufgaben umso mehr Anstrengungen unternimmt und umso ausdauernder ist, über je mehr Selbstwirksamkeitserwartung man verfügt. Die wahrgenommene Selbstwirksamkeit wiederum wird unter anderem von neuen Erfahrungen beeinflusst: Sie nimmt zu, wenn man Erfolge des eigenen Handelns sieht.

Ein für Menschen besonders bedeutsamer Erfolg ist, von einem anderen Menschen wirklich gesehen und anerkannt zu werden. Gesehen zu werden zeigt uns, dass wir wichtig sind und unsere Anwesenheit eine Bedeutung hat. Wenn es nicht egal ist, ob wir da sind oder nicht, dann hat unser Da-Sein und unser Tun eine Wirkung. Eben das ist Selbstwirksamkeit. Aus diesem Grund ist die therapeutische Beziehung so wichtig: Ich sehe Dich, ich interessiere mich dafür, wer und wie Du bist, und Deine Handlungen sind mir wichtig. Die neuronale Basis für die sich abspielenden Prozesse bilden die Spiegelneurone (s. dort).

Spiegelneurone 2019-02-03T15:09:28+02:00

Eine der zentralen Erkenntnisse der Neurobiologie ist die Tatsache, dass das Gehirn darauf ausgelegt ist, vielfältige soziale Erfahrungen zu machen, und dass der Einfluss, welcher Art diese Erfahrungen sind, nicht zu unterschätzen ist. Eine der entscheidenden Fähigkeiten, die unser Gehirn mitbringt, ist die Möglichkeit der Spiegelung dessen, was ein anderer Mensch tut oder was in ihm vorgeht. Das Prinzip ist folgendes: Für jede Bewegung, die man machen kann, gibt es bestimmte Neurone (Nervenzellen), die diese Bewegung steuern. Der Clou ist, dass genau diese Neurone auch dann aktiv werden, wenn wir beobachten (oder hören), wie jemand anderes diese Bewegung macht. Das kann alles Mögliche sein – ein Greifen nach einem Gegenstand, ein Stirnrunzeln, ein Lächeln, eine Drohgebärde oder ein Schmerzsignal. Unser Gehirn erzeugt quasi eine Simulation des anderen in uns selbst. Überdies funktioniert dieser Mechanismus nicht nur für körperliche Bewegungen, sondern auch in Bezug auf Gefühle. Da wir das, was wir beim anderen wahrnehmen, in uns selbst abbilden, färbt dessen Befindlichkeit gewissermaßen auf uns ab – wer ängstlich ist, wird eher ruhiger, wenn sein Gegenüber gelassen bleibt, oder wenn der Partner Schmerzen erleidet, spürt man diese selbst körperlich. Die Neurone, die diese Spiegelungseigenschaft besitzen, heißen Spiegelneurone. Sie wurden von dem italienischen Forscher Giacomo Rizzolatti entdeckt (eine gute Darstellung dazu bietet Joachim Bauer 2006).

Aufgrund dessen, was wir beim anderen wahrnehmen, und der Aktivität unserer Spiegelneurone bildet sich in unserem Gehirn eine Repräsentation der Befindlichkeit des anderen. Je besser unserem Gehirn dies gelingt, desto stärker ist das ausgeprägt, was wir Empathie (s. dort) oder Einfühlungsvermögen nennen. Aber die Beherrschung dessen fällt nicht vom Himmel. Das tut nur die Möglichkeit, es zu lernen – in unserer biologischen Grundausstattung ist die Spiegelungsfähigkeit angelegt. Wir sind vom Tag der Geburt an darauf angewiesen, Menschen um uns zu haben, die unser Spiegelsystem ansprechen und zur Nutzung anregen, damit es sich gut ausbilden kann. Dieser Prozess hört nicht mit der Einschulung oder der Volljährigkeit auf, wir sind unser Leben lang auf Resonanz bei anderen Menschen angewiesen.

Systemische Therapie 2019-02-02T12:57:34+02:00

Die systemische Therapie ist aus der Familientherapie entstanden und entwickelt sich fortlaufend weiter. Sie beruht auf systemtheoretischen Ansätzen, der philosophischen Position des Konstruktivismus und kommunikationstheoretischen Erkenntnissen. Die systemische Therapie zeichnet sich durch ein humanistisch orientiertes Menschenbild aus. Der Blick wird auf die Möglichkeit der bewussten und aktiven Selbststeuerung gelegt, die den Menschen befähigt, sich Ziele zu setzen, zu entscheiden, welche Dinge er in seinem Leben ändern möchte, und dieses auch in Angriff zu nehmen. Die eigene Entwicklung und die Beseitigung von Problemen werden als grundlegende Ziele im menschlichen Leben angesehen. Im Prinzip besitzt jeder Mensch auch die dafür notwendigen Ressourcen. In den Fällen, in denen diese nicht genügend zugänglich sind, kann ein Therapeut behilflich sein, eine neue Sichtweise zu gewinnen, Kräfte zu aktivieren, die bisher nicht wirksam werden konnten, oder eine Vorstellung zu entwickeln, wie das Leben ohne das Problem aussehen kann, und Maßnahmen einzuleiten, dort hinzugelangen.

Der systemische Therapeut ist nicht derjenige, der eine Lösung für das Problem anzubieten hat. Er weiß nicht besser, was für den Klienten gut oder richtig ist, als dieser selbst. Auch geht es meist nicht darum, die Ursache des Problems zu finden. Der systemische Therapeut kann neue Impulse geben, neue Erfahrungen ermöglichen, irritierende Fragen stellen und somit neue Perspektiven generieren. Ziel ist dabei oft, statt des problembehafteten Verhaltens ein alternatives Verhalten auszuprobieren. Oftmals lösen sich dadurch Konflikte, wenn man Dinge anders macht oder andere Dinge macht als bisher.

Als systemischer Therapeut muss man sich immer sehr individuell auf seine Klienten einstellen. Was als Intervention bei dem einen Klienten hilfreich war, kann bei einem anderen wirkungslos oder nachteilig sein. Der Achtung des Klienten als einzigartiges, eigenständiges, selbst entscheidendes und für sich verantwortliches Wesen kommt daher eine sehr hohe Bedeutung zu.

Therapeut 2019-02-02T16:57:48+02:00

Den Begriff Therapeut verstehen wir im ursprünglichen Sinne als Diener oder Begleiter. Als Begleiter auf dem Weg des Lebens, der Entwicklung und beim nächsten gerade anstehenden seelischen Reifungsschritt. Ganz entscheidend dafür ist die Fähigkeit wahrzunehmen, was das Gegenüber gerade braucht, das heißt menschlich braucht, und darauf adäquat zu reagieren, das heißt, ihm beim Suchen und im besten Fall auch Finden zur Seite zu stehen.

Therapeutische Haltung 2019-02-03T10:29:36+02:00

Wir befürworten eine therapeutische Haltung, die sich an den zentralen Forderungen des Begründers der Gesprächspsychotherapie Carl Rogers (1994) orientiert: Empathie, Wertschätzung und Authentizität. Empathie (s. dort) ist die wichtigste Grundlage einer zwischenmenschlichen Beziehung. Durch die Wertschätzung des Klienten drückt der Therapeut auch eine Gleichwürdigkeit aus. Zwar besteht in der Therapeut-Klient-Beziehung immer eine durch die Rollen bedingte Ungleichheit, doch darf dies nicht zu Überlegenheitsgefühlen des Therapeuten führen – „Du hast das Problem, und ich habe die Lösung“. Vielmehr liegt in der Wertschätzung, die der Therapeut dem Klienten entgegenbringt, auch eine Akzeptanz seiner Andersartigkeit. Diese ist weder minder- noch höherwertiger, sondern stellt lediglich eine andere Form des Seins dar, so dass das, was als problematisch erlebt wird, sowie auch die mögliche Lösung für das Problem aus Klientensicht anders erscheint als für den Therapeuten. Schließlich liegt im Erkennen des Wertes des anderen Menschen implizit auch das Zutrauen, dass er seine Lösungen selbst finden kann. Authentizität als dritte Forderung ist die Voraussetzung für eine echte Begegnung zwischen Menschen. Die therapeutische Beziehung lebt von der Begegnung zweier Menschen, nicht von Fassaden. Dazu gehört für den Therapeuten, bei sich zu sein und das eigene Innere möglichst gut wahrnehmen zu können.